Aushandlungssache(n). Körpertechniken an der Schwelle digitaler Spiele
Was Computerspiele ausmacht, wird im Medienverbund ausgehandelt. So viel ist seit der Spielpraxis-Trilogie klar, die David Sudnow Ende der 1970er/Anfang der 1980er über das Jazz-Pianospiel, das Tastaturschreiben und das Spielen mit dem Atari publiziert. Symptomatisch ist, dass in der Spieleforschung davon in erster Linie den Atari-Text rezipiert worden ist. Legt man die drei Texte aber nebeneinander, stellt einem ihr Medienverbund ganz andere Fragen.
Computerspiele zu spielen, erfordert ein Mindestmaß an Technik. Aber wenn in Bezug auf „Games“ von Technik gesprochen wird, ist meistens Mikroelektronik gemeint: Chips, Speicherkapazitäten, Frameraten, Grafikleistung – also alles, was sich steigern lässt und daher für eskalative, maskuline Fantasien „technischen“ Fortschritts taugt. Dabei umfasst die Technizität von Computerspielen weitaus mehr und komplexeres. Wie sich Körper, Controller und Konsolen umeinander falten, wie sich Spiele anfühlen, wie Figurenkörper gebaut und sortiert wird und wie sie sich bewegen: All das gehört zur technischen Dimension von Computerspielen.
Mein Dissertationsprojekt fragt nach den Körpertechniken, die Spieler*innen erlernen müssen, und den Spielpraktiken, denen sie nachgehen. Mit einem Ansatz aus Praxistheorie, Medientheorie und Medien-Autoethnografie arbeite ich mit der Dissertation in exemplarischen Analysen von „Nintendo Labos“ Papp-Modellen und Falt-Anleitungen, den Reißverschlüssen und Vibrationen von „Astro’s Playroom“, den Logiken der Körpersortierung von Charakter-Editoren und Samenbanken, und den Techniken des Laufens und der Postzustellung Praktiken heraus, die der Stabilität des Computerspiels als Einzelmedium vorgängig sind.



Profil
Laura Laabs ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Freiburg, wo sie am Institut für Medienkulturwissenschaft unterrichtet und forscht. Derzeit beschäftigt sie sich vor allem mit Computerspielen und praxistheoretischer Medienwissenschaft. Dazu schreibt und spielt sie in ihrer Dissertation u. a. mit Pappkartons, Elefantenrüsseln, Reißverschlüssen, Gesichtern, Postboten, Wetterkarten und Tragetaschen. Weitere Interessen sind feministische Medien- und Techniktheorie, Wohn- und Büro-Medien, Stick-Kunst und Haptik/Taktilität als ästhetische Wahrnehmungsmodi. Sie ist Teil der Redaktion von „Paidia. Zeitschrift für Computerspielforschung“. Laura Laabs war von 2020 bis 2023 Mitglied des Graduiertenkollegs „Konfigurationen des Films“.
laura.laabs[at]mkw.uni-freiburg.de