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Anna Bell
Doktorand_In, zweite Kohorte (2020-2023)

Für Immer Fassbinder – Dynamiken der Reputation und Kanonisierung

„Mehr als 35 Jahre nach seinem Tod ist sein Filmschaffen in der ganzen Welt präsent, wird gefeiert und bewundert.“[1] Es finden immer wieder Ausstellungen und Werkschauen statt (Fig. 1, 2, 4) und es gibt ein großes Angebot an Publikationen verschiedenster Art, die sich mit Rainer Werner Fassbinders Werken, autobiographischem Material und seinem Auftreten in der Öffentlichkeit beschäftigen (z.B. Fig. 3). Fassbinder ist als deutscher Künstler zweifelsfrei zu einem Teil des kollektiven Gedächtnisses geworden. Dies verdankt er nicht allein seinem Oeuvre, sondern auch dem, was über ihn als Person und Künstler gesagt, geschrieben und gezeigt wurde und wird – seiner Reputation.

In den Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften, vor allem in der Unternehmens- und Wahlforschung, ist die Reputationstheorie schon lange etabliert. In meiner Dissertation untersuche ich Reputationsdynamiken als Einflussfaktoren auf die Kanonisierung von Filmwerken. Der analytische Fokus liegt dabei auf der Auswertung des im DFF Fassbinder Center in Frankfurt 2019 neu zugänglich gemachten Schriftgutnachlass Fassbinders. Dieses Fallbeispiel zeigt zudem auf, wie Archivmaterial einen Platz im Kontext globaler digitaler Zirkulation finden kann.

 

[1] DFF Deutsches Filminstitut Filmuseum, „Archiv- und Studienzentrum des DFF / DFF Fassbinder Center, Frankfurt„, dff.film, zuletzt abgerufen am 31. März 2020.

Fig. 1:
Rainer Werner Fassbinder, Museum of Modern Art, 1997, retrospective curated by Laurence Kardish, moma.org, zuletzt abgerufem am 15. Juli 2020.
Fig. 2:
Fassbinder Jetzt!, Gropius Bau, Berlin, 2015, Organization: Deutsches Filmmuseum, Frankfurt am Main, in cooperation with Rainer Werner Fassbinder Foundation, Berlin. fassbinder-jetzt.deutsches-filmmuseum.de, zuletzt abgerufem am 15. Juli 2020.
Fig. 3:
YouTube video In Person: Rainer Werner Fassbinder, 21.39 min. Q&A with Rainer Werner Fassbinder on November 2, 1975 after screening of Faustrecht der Freiheit (Fox and His Friends, 1975). Online publication on the occasion of the retrospective “Rainer Werner Fassbinder,” August 31 - October 25, 2018 at the Austrian Film Museum. YouTube, zuletzt abgerufem am 15. Juli 2020.
Fig. 4:
Rainer Werner Fassbinder: Un cinéaste d'Allemagne, Centre Pompidou, Paris, 2015 © D.R., Centre Pompidou, centrepompidou.fr, zuletzt abgerufem am 15. Juli 2020.

Profil

Anna Bell absolvierte 2014 ihr Bachelorstudium in Politikwissenschaft mit Beifach Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Mannheim und der Umeå Universitet. Sie arbeitete im Programmbereich von Filmfestivals, wie beispielsweise dem Festival des deutschen Films Ludwigshafen am Rhein, dem Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg und dem Snowdance Independent Filmfestival. Während ihres Masterstudiums Filmkultur: Archivierung, Programmierung, Präsentation an der Goethe-Universität Frankfurt war sie außerdem in der Mediathek des Instituts für Theater-, Film- und Medienwissenschaft als wissenschaftliche Hilfskraft tätig. Zu ihren Forschungsinteressen zählen Kanonisierungs- und Reputationsdynamiken im Bereich der Filmkultur, sowie Verbleib, Erhalt und Bedeutungszuschreibung von Erinnerungsstücken, insbesondere in Bezug auf Filmerbe.

 

bell[at]tfm.uni-frankfurt.de

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