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Anna Bell
Doktorand_In, zweite Kohorte (2020-2023)

Für Immer Fassbinder – Dynamiken der Reputation und Kanonisierung

Rainer Werner Fassbinder – „Mehr als 35 Jahre nach seinem Tod ist sein Filmschaffen in der ganzen Welt präsent, wird gefeiert und bewundert.“[1]

Ausstellungen, Werkschauen, Bücher, Filme, Forschung – woher kommt das scheinbar niemals verebbende Interesse an Fassbinder und seinen Werken? Günter Rohrbach tröstet in einem Nachruf auf Fassbinder mit den Worten: „Regisseure sterben nicht, solange ihre Filme leben.“[2] Konträr zu dieser Aussage, argumentiere ich in meiner Forschungsthese, dass Filme nicht sterben, solange die Reputation der oder des jeweiligen Filmschaffenden lebt. Fassbinder ist als deutscher Regisseur zweifellos zu einem Teil unseres kollektiven Gedächtnisses geworden und sein Oeuvre ist enorm. Doch die andauernde Relevanzzuschreibung seiner Werke gründet nicht in der bloßen Existenz derer, ihrem Inhalt oder ihrer ästhetischen Qualität, sondern darin, was zu und über Fassbinder gesagt, geschrieben sowie gezeigt wurde und wird: in seiner Reputation. Was genau verbirgt sich hinter dem Begriff, wie entsteht Reputation und welchen Einfluss nimmt sie auf Relevanzzuschreibungen bezüglich Künstler*innen und ihren Werken? Was hat Fassbinder selbst zur Genese seiner Reputation beigetragen? Und „Wie soll man leben, wenn man nicht sterben will“[3]?

 

[1] DFF Deutsches Filminstitut Filmuseum, „Archiv- und Studienzentrum des DFF

DFF Fassbinder Center, Frankfurt“ https://www.dff.film/wp-content/uploads/2019/11/20190304_Fassbinder-Flyer-A5_2019_web_neu.pdf (zuletzt geprüft am 31.3.20).

[2] Günther Rohrbach, „„Ich will doch nur …“. Zum Tod von Rainer Werner Fassbinder,“ in In guter Gesellschaft. Texte über Film und Fernsehen, hrsg. von Hans Helmut Prinzler (Berlin: Bertz+Fischer

Deutsche Filmakademie e.V., 1982 / 2008), 300.

[3] Rainer Werner Fassbinder, „Wie soll man leben, wenn man nicht sterben will,“ in Berlin Alexanderplatz (Deutschland: 1980).

Fig. 1:
Rainer Werner Fassbinder, Museum of Modern Art, 1997, retrospective curated by Laurence Kardish, moma.org, zuletzt abgerufem am 15. Juli 2020.
Fig. 2:
Fassbinder Jetzt!, Gropius Bau, Berlin, 2015, Organization: Deutsches Filmmuseum, Frankfurt am Main, in cooperation with Rainer Werner Fassbinder Foundation, Berlin. fassbinder-jetzt.deutsches-filmmuseum.de, zuletzt abgerufem am 15. Juli 2020.
Fig. 3:
YouTube video In Person: Rainer Werner Fassbinder, 21.39 min. Q&A with Rainer Werner Fassbinder on November 2, 1975 after screening of Faustrecht der Freiheit (Fox and His Friends, 1975). Online publication on the occasion of the retrospective “Rainer Werner Fassbinder,” August 31 - October 25, 2018 at the Austrian Film Museum. YouTube, zuletzt abgerufem am 15. Juli 2020.
Fig. 4:
Rainer Werner Fassbinder: Un cinéaste d'Allemagne, Centre Pompidou, Paris, 2015 © D.R., Centre Pompidou, centrepompidou.fr, zuletzt abgerufem am 15. Juli 2020.

Profil

Anna Bell studierte Politikwissenschaft mit Nebenfach Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Mannheim und der Umeå Universitet in Schweden, sowie Filmkultur: Archivierung, Programmierung, Präsentation an der Goethe-Universität Frankfurt. Seit 2014 arbeitet sie im Programmbereich diverser Filmfestivals. Zu ihren Forschungsinteressen zählen unter anderem Archival und Memory Studies, Queer Cinema, die Genese von Diskursen, sowie die (Selbst-)Darstellung und Kanonisierung von Filmemacher:innen und ihren Werken.

 

bell[at]tfm.uni-frankfurt.de

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