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Clara Podlesnigg
Doktorand_In, zweite Kohorte (2020-2023)

Was will das Hologramm?

Die posthume Hologramm-Performance von Rapper Tupac Shakur im Jahr 2012 diente als Vorlage für eine Reihe von immersiven Live-Performances bereits verstorbener Künstler_innen, wie beispielsweise Maria Callas (2018/19), Whitney Houston (2020) und Ronnie James Dio (2016-19). Ausgehend von dieser Beobachtung befasst sich mein Projekt mit Medienpraktiken zur Totenbeschwörung und -erweckung. Die Sehnsucht, visuelle Medien sowohl als Orte der Bewahrung als auch der Auferstehung zu nutzen, um den Tod zu überwinden, geht auf die Popularität von Fotografie und Kino als Werkzeuge der Erinnerungskultur im 19. Jahrhundert zurück. Vor diesem Hintergrund erweisen sich posthume Hologramm-Performances als nekromantische Medienpraktiken des 21. Jahrhunderts. Als kollektive Konfigurationen der Erinnerung bzw. des Gedenkens und Meditationen über den Tod existieren sie in einem historischen Zusammenhang mit anderen Praktiken wie Séancen, Phantasmagorien und Geisterbahnen, aber auch biografischen Formaten im Spiel- und Dokumentarfilm. Insbesondere Fragen der Autor_innenschaft und Agency in Bezug auf posthume Kollaboration zwischen lebenden und toten Subjekten stehen im Fokus meines Projekts.

Fig. 1:
SnoopDoggTV, Tupac Hologram Snoop Dogg and Dr. Dre Perform Coachella Live 2012, YouTube, last accessed July 15, 2020.
Fig. 2:
Illustration of a Phantasmagoria performance by Étienne-Gaspard Robert 1797, Wikimedia, last accessed July 15, 2020.
Fig. 3:
Screenshot from Louis Gillings, An Evening with Whitney: It's Not Right But It's Okay, YouTube, last accessed July 15, 2020.

Profil

Clara Podlesnigg ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Graduiertenkolleg „Konfigurationen des Films“ an der Goethe-Universität Frankfurt. Sie studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft sowie Skandinavistik an den Universitäten Wien und Umeå, und absolvierte das internationale Masterprogramm Cinema Studies an der Universität Stockholm. Sie verbrachte ein Jahr als wissenschaftliche Volontärin im Filmmuseum Düsseldorf, wo sie sich auf die kuratorische Arbeit im Archiv und Kino spezialisierte, und arbeitete anschließend im DFF – Deutsches Filminstitut und Filmmuseum sowie an der hessischen Film- und Medienakademie (hFMA).

 

podlesnigg[at]em.uni-frankfurt.de

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