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Ausschreibungen

DFG-Graduiertenkolleg 2279 „Konfigurationen des Films“ 

Informationen für Bewerber*innen

 

Im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Graduiertenkollegs „Konfigurationen des Films“ im Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft am Fachbereich 10 der Goethe-Universität Frankfurt sind zum 1. Juli 2020 bis zu zwölf Promotionsstellen (TV-L 13, 65%) für 18 Monate zu besetzen, mit einer möglichen Verlängerung für 18 weitere Monate.

 

Konzeption des Graduiertenkollegs

 

Konzipiert für die Zirkulation in unterschiedlichen Formaten und standardisiert im Hinblick auf globale Distribution, war der Film immer schon zugleich ein Bild der Bewegung und ein Bild in Bewegung. Die Entwicklung digitaler Produktionstechnologien und die Emergenz digitaler Kommunikationsnetzwerke haben im Verlauf der letzten Jahrzehnte der Mobilität des Films eine neue Dimension verliehen. Jenseits des klassischen Dispositivs des Kinos sind neue Formen und Bezugsrahmen des Kinos entstanden, welche die etablierten Ansätze der Filmwissenschaft in Frage stellen. Die drei Leitbegriffe Index, Dispositiv und Kanon, mit denen das Kino als photochemische Bildtechnologie mit einem privilegierten Realitätsbezug, als Ort der öffentlichen Vorführung und als national geprägte Auswahl von Autorenfilmen definiert wurde, können der neuen Vielfalt bewegter Bilder und ihren globalen Zirkulationswegen nicht mehr erschöpfend gerecht werden. Der Begriff der „post-kinematographischen Bedingung“, mit dem die Filmtheorie seit mehr als einem Jahrzehnt der neuen kulturellen und technologischen Ordnung des Films zu beschreiben versucht, hält mit einer fast melancholischen Verbundenheit an dem fest, was das Kino nicht mehr ist. Dagegen untersucht das Graduiertenkolleg „Konfigurationen des Films“ die Operationen, Formen und Formate sowie Orte und Infrastrukturen der Produktion und Distribution von Filmen. Das Forschungsprogramm erweitert den Horizont der Untersuchung über das Feld der Kunst und der Ästhetik hinaus und hält zugleich fest an der Vorstellung vom Film als einem privilegierten Ort der Produktion kultureller Bedeutung, des sozialen Handelns und der politischen Auseinandersetzung.

 

Die erste Kohorte von zwölf Doktorand*innen und zwei Postdocs hat ihre Arbeit im Herbst 2017 aufgenommen. Die einzelnen Forschungsprojekte untersuchten Konfigurationen des Films in einer historischen und zeitgenössischen Perspektive. Sie verbinden Film- und Medientheorie mit medienhistorischen Untersuchungen und leisten im Rahmen von Fallstudien auch wesentliche Beiträge zur Entwicklung neuer analytischer Konzepte für die Untersuchung des Films als eines Bildes der Bewegung und eines Bildes in Bewegung. Das Programm gliedert sich in drei Forschungsschwerpunkte: Formbildungen, Verwendungen und Verortungen des Films.

 

– „Formbildung“ bezeichnet eine Ausprägung des Films unter dem Aspekt der Form und dem Aspekt des Formats. Am Objekt „Kino“ untersuchte die Filmwissenschaft in der bisherigen Wissensordnung in erster Linie die Form des Spielfilms, des Dokumentarfilms oder des Experimentalfilms. Vom Kompositionselement des Bildformats abgesehen, schenkte sie der Frage des Formats und der Formatierung dabei keine besondere Aufmerksamkeit. Der Prozess der „relocation“ rückt nun die Frage nach den Voraussetzungen der Mobilität des Films in den Vordergrund und damit die Frage nach dem Format, d.h. nach dem, was die Konstanz und zugleich die Skalierbarkeit der Form in unterschiedlichen Speichermedien ausmacht. Neben der Infrastruktur erscheint Format als eine zentrale Bedingung der Möglichkeit für globale Zirkulation und den Flow von Bewegtbildern. Mit dem Begriff der „Formbildung“ schlägt das Programm vor, das Zusammenspiel von Format und Form, von Technologie und Ästhetik zu untersuchen und fragt danach, wie sie sich in der Vielfalt der Konfiguration des Films entfalten.

 

– „Verwendung“ wiederum bezeichnet die unterschiedlichen Präsentationsweisen, institutionelle Rahmungen und Zwecksetzungen von Film. Filme können zur Erzeugung einer ästhetischen Erfahrung im Kino, im öffentlichen Raum oder auf dem Smartphone eingesetzt werden, aber auch zur Herbeiführung von Kooperationsbereitschaft in industriellen Organisationen oder als didaktisches Mittel in Bildungseinrichtungen. Gerade weil zur Verwendung die ästhetische Dimension der Präsentation gehört, erschöpft sich die Verwendung aber nicht in dem Aspekt des Instrumentellen. Selbst dort, wo die ästhetische Dimension in der Verwendung eine eher marginale Rolle spielt, interessiert sich das Programm dafür, das Wechselspiel zwischen ästhetischen und sozialen, politischen und ökonomischen Aspekten zu untersuchen.

 

– „Verortung“ schließlich meint die räumliche Dimension einer bestimmten Konfiguration des Filmes. Das Programm beabsichtigt die Prozesse zu untersuchen, durch die Film Raum in konkrete Orte transformiert und institutionelle Zusammenhänge beeinflusst, ob im Kino, Museum oder auf Online-Plattformen. Nach Gaston Bachelard beginnt eine wissenschaftliche Untersuchung damit, Elemente in eine räumliche Anordnung zu bringen. Eine Bestandsaufnahme der Orte des Films markiert so gesehen einen wichtigen Schritt, nicht nur in der Erforschung einer bestimmten Konfiguration des Films, sondern auch im Hinblick auf die Entwicklung neuer Kategorien anhand derer Konfigurationen des Films in ihrer Vielfalt und ihren Gemeinsamkeiten theoretisch nachvollzogen werden können.

 

Ziel des Graduiertenkollegs ist es, mit der Ausbildung von exzellenten Nachwuchsforscher*innen einen Beitrag zur Entwicklung von Forschungsansätzen für die nächste Generation der Film- und Medienwissenschaft zu leisten. Das Kolleg bündelt die fachspezifischen Kompetenzen in Frankfurt und bindet Amerikanistik, Filmwissenschaft, Medienwissenschaft, Musikwissenschaft, Philosophie und Theaterwissenschaft, sowie die Nachbarstandorte Mainz, Marburg, Mannheim und Offenbach ein. Das Kolleg baut auf drei Masterstudiengänge an der Goethe-Universität sowie Kooperationen unter den Antragsteller*innen auf. Es nutzt die Potentiale des Standorts Frankfurt, wo die Universitätsbibliothek und die Deutsche Nationalbibliothek über Literaturbestände von europäischem Rang verfügen und mit dem Deutschen Filminstitut und der Murnau-Stiftung bedeutende außeruniversitäre Partner bereitstehen. Internationale Ausstrahlung entwickelt das Kolleg durch seine Kooperation mit den filmwissenschaftlichen Abteilungen der Yale University und der Concordia University in Montreal. Wir bitten interessierte Bewerber*innen sich einen Überblick über vergangene und aktuelle Forschungsprojekte und Initiativen des Kollegs auf unserer Website zu verschaffen: https://konfigurationen-des-films.de/.

 

Zulassungsvoraussetzungen 

 

Voraussetzung für eine erfolgreiche Bewerbung ist ein exzellenter Master- oder Magisterabschluss zu Beginn des Kollegs (1. Juli 2020). in Filmwissenschaft bzw. Medienwissenschaft oder in einer der weiteren beteiligten oder in benachbarten Disziplinen (v.a. Amerikanistik, Musikwissenschaft, Philosophie und Theaterwissenschaft).

 

Bewerber*innen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, sollten hervorragende Kenntnisse in Deutsch nachweisen (CEF C1). Bewerber*innen sollten über hervorragende Kenntnisse in Englisch und mindestens eine weitere Fremdsprache (CEF B1) verfügen, vorzugsweise Französisch.

 

Bewerber*innen sollten über die Fähigkeit zur Entwicklung einer eigenständigen wissenschaftlichen Fragestellung im Themengebiet des Kollegs verfügen. Sie sollen hochmotivierte Wissenschaftler*innen sein, die in der Lage sind, ihr Dissertationsprojekt innerhalb der Vertragszeit von drei Jahren abzuschließen.

 

„Konfigurationen des Films“ ist ein Forschungskollektiv und für Doktorand*innen besteht eine Präsenz- und Residenzpflicht. Die Anwesenheit von Doktorand*innen im Forschungsalltag ist ein wichtiger Bestandteil der Gemeinschaftsbildung und Professionalisierung, das die kontinuierliche und tiefgreifende Zusammenarbeit mit Kolleg*innen und Wissenschaftler*innen fördert. Doktorand*innen nehmen eine aktive Rolle im täglichen Betrieb des Kollegs ein. Sie sind vertreten in Ausschüssen und organisieren Veranstaltungen wie z.B. Konferenzen und Workshops, Lesegruppen und Gastvorlesungen, Filmvorführungen und Exkursionen. Die Präsenz- und Residenzpflicht ermöglicht Doktorand*innen sich als führende Kräfte in der Film-und Medienwissenschaft sowie in Frankfurt und seinem vielfältigen kulturellen Leben zu etablieren.

 

Wir wollen besonders die Karrieren von unterrepräsentierten Bewerber*innen fördern. Bewerbungen von Frauen, Schwerbehinderten sowie Bewerber*innen, die hinsichtlich ihrer ethnischen Herkunft, sexuellen Orientierung oder sozioökonomischen Schichten unterrepräsentiert sind, sind besonders willkommen.

 

Bewerbungsunterlagen

 

– CV.

 

– Abschlusszeugnisse (BA, MA/Magister) und Transcript of Records.

 

Motivationsschreiben. Aus diesem geht hervor, weshalb der/die BewerberIn an dem jeweiligen Promotionsthema in diesem Kolleg arbeiten möchte. Bewerber*innen sollen zeigen, wie ihre bisherige Forschung sowie inner- und außeruniversitäre Projekte ihre derzeitigen Forschungsinteressen und ihr Promotionsthema beeinflusst haben.

 

Beschreibung des geplanten Promotionsprojekts. Diese sollte einen Umfang von zwei bis drei Seiten (Zeilenabstand 1,5) haben, zuzüglich Literaturangaben. Sie sollte Thema, Fragestellung, Methode und Materialkorpus des Vorhabens benennen. Die Beschreibung sollte deutlich machen, wo sich das Projekt in dem bestehenden Forschungsstand verortet und welche aktuelle Forschungslücke in der jeweiligen Disziplin das Projekt schließen soll. Die Projektbeschreibung sollte überdies deutlich machen, in welchem thematischen Zusammenhang das Projekt mit dem Thema und drei Forschungsschwerpunkten des Kollegs steht und auf welchem/welchen Arbeitsfeld/ern es sich ansiedelt. Soweit möglich sind die Bewerber*innen aufgefordert, entlang der jeweiligen Forschungsinteressen der beteiligten Professor*innen, festzuhalten wer für die Betreuung der Arbeit in Frage kommt. Das Kolleg erlaubt binationale Promotionen und die Co-Betreuung einer Doktorarbeit mit internationalen Partneruniversitäten.

 

Auswahlverfahren

 

Vollständige Bewerbungen sind bis zum 19. Dezember 2019 in elektronischer Form (PDF) an die folgende E-Mail-Adresse zu richten: bewerbungen-konfigurationen@tfm.uni-frankfurt.de.

 

Bewerber*innen erhalten eine E-Mail zur Eingangsbestätigung.

 

Auf der Grundlage der eingegangenen Bewerbungen treffen die beteiligten Wissenschaftler*innen eine Vorauswahl Anfang Januar 2020. Interviews werden in Frankfurt oder per Skype Ende Januar 2020 stattfinden.