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Marin Reljic
Doktorand_in

Aporien der Zeitlichkeit. Audiovisuelle (Neu-)Konfigurationen im ARTE Stummfilmprogramm

Das Dissertationsvorhaben untersucht zeitgenössische Filmmusiken im Rahmen des ARTE Stummfilmprogramms. Dabei soll nicht nur eruiert werden, wie durch moderne Klangsprache das überlieferte Material einer Neuinterpretation unterworfen wird, sondern auch welche expliziten audiovisuellen Auswirkungen der Medientransfer zwischen Kino, Fernsehen und digitalen Netzwerken hat. Zugleich entkoppelt der Kontext einer Renaissance klassischer Stummfilmaufführungen mit Live-Begleitung die Musik erneut vom Bild und rematerialisiert sie als Teil multimedialer Erlebnisformen.

Diese Verbindungen von Erhaltung und Experiment verlebendigen nicht nur die Starre des Archivwissens, sondern lassen auch eine produktive Betrachtung filmischen Kulturerbes im Wandel institutioneller wie methodologischer Paradigmen zu.

Im Fokus liegen werden dabei Stummfilme, welche ihrerseits eine thematische Auffächerung zeitkritisch-gesellschaftlicher Bezüge beinhalten. Das macht sie einerseits musikalisch besonders sensibel für das Gefälle narrativer Verknüpfungen und propagandistischer Verwendung, bietet auf diese Weise aber umso mehr die Chance, Neukompositionen vor dem Hintergrund sozialgeschichtlicher Veränderungen hinsichtlich ihrer Dialogfunktion zwischen modernen Klängen und historischen Bildern zu hinterfragen.

Ziel des Vorhabens ist es, den filmmusikalischen Diskurs über etablierte Grenzen konventioneller Tonfilmsprache zu erweitern. Zugleich soll die Klammersetzung von über 100 Jahren Filmgeschichte zwischen Stummfilmoriginalen und ihren Restaurierungen keinen Abschluss, sondern vielmehr eine Grundlage für zukünftige Forschung kinematographischer (Neu-)Konfigurationen bieten.

 

Fig. 1: Ich klage an (Regie: A. Gance, Frankreich 1919), DVD.

Fig. 2: Die Weber (Regie F. Zelnik, Deutschland 1927), DVD.

Fig. 3: Partitur, Thewes, Bernd: Die Gezeichneten, Konzertante Fassung; für Flöte, Violoncello, Klavier und Akkordeon, nach dem gleichnamigen Film von Carl Theodor Dreyer (1922) unter Verwendung von osteuropäisch-jüdischen und russischen Volksweisen, Mainz: Bernd Thewes Verlag 2009, S. 1.

Profil

Marin Reljic ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Graduiertenkolleg „Konfigurationen des Films“ der Goethe-Universität Frankfurt. Sein Studium der Musikwissenschaft und Kunstgeschichte an der Goethe-Universität Frankfurt schloss er 2011 mit der Erlangung des Magister Artium ab. Davor belegte er am Dr. Hoch’s Konservatorium die Fächer Komposition, Klavier und Musikanalyse. Neben seiner akademischen Tätigkeit ist er auch als Filmemacher und Filmmusikkomponist tätig.

 

reljic[at]tfm.uni-frankfurt.de

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