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Victoria Elizarova
Doktorand_In, dritte Kohorte (2023-2026)

Kino auf Rädern: Ländliche Distribution und Vorführung von Film in der UdSSR der 20er-30er Jahre

Das Kino verbreitete sich im Rahmen der sogenannten “cinefication” in den ländlichen Gebieten der UdSSR während des Bürgerkriegs infolge der territorialen Ausdehnung und wurde später zu einem wichtigen Teil des Projekts zur politischen Aufklärung. Die belehrende Funktion  des Kinos sollte die unterhaltende ersetzen. Zu diesem Zweck wurden den Filmvorführungen Kulturfilme vorangestellt und von mündlichen Praktiken wie Vorträgen, Kommentaren und Diskussionen eingerahmt. Die räumlichen Veränderungen der Filmvorführung, die durch den Einsatz mobiler Einheiten und die Etablierung neuer kultureller Institutionen verursacht wurden, betteten das Kino in das Alltagsleben ein und forderten den*die Zuschauer*in auf, die Erfahrung der gesehenen Welt auf die reale Welt zu übertragen. Dieser Wandel manifestierte sich in Opposition zum bürgerlich-urbanen „cinema-going“, und zwar in Form des „cinema-comings“ (Damiens 2023).

Mit Hilfe eines semiopragmatischen Ansatzes untersucht diese Dissertation die Verbreitung von Kulturfilmen auf dem Land innerhalb ihres institutionellen Rahmens: Praktiken, die die Filmvorführung umgeben und einen „Raum der Kommunikation“ bilden (Odin 2022), sowie die räumliche Transformation des Dispositivs. Ziel ist es, sowohl die Modi der Bedeutungsproduktion als auch der Rezeption zu untersuchen.

Fig. 1:
Skizze eines Gestaltungsvorschlags für eine Hütte mit Leseraum und versenkbarer Leinwand (Anton Lavinsky, 1925), Togdazine.
Fig. 2:
Mobile Sovkino-Einheit auf der Route vom Dorf Taseevo zur Stadt Kansk (1927), Taseevsky Museum of Local Lore.
Fig. 3:
Mobiles Kino im Dorf Korpikovo, Gatchina (1930s), Gatchinskaya Pravda.

Profil

Victoria Elizarova ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Graduiertenkolleg „Konfigurationen des Films“ an der Goethe-Universität Frankfurt. Sie erhielt ihren B.A. und M.A. in Filmwissenschaften vom Gerasimov Institut für Kinematographie VGIK, Moskau. Sie arbeitete als Forschungsassistentin im Filmarchiv Gosfilmofond Russland und war dort als Kuratorin der Filmsammlung tätig. Sie hat als Programmgestalterin in einer Reihe von Festivals mitgewirkt. Zu ihren Forschungsinteressen gehören Filmkulturen, Postkolonialismus sowie Amateur- und nicht-theatralische Filmformen.

 

elizarova[at]tfm.uni-frankfurt.de

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