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Alexander Stark
Doktorand_In, erste Kohorte (2017-2020)

"Die filmende Bäckersfrau" Elisabeth Wilms – Amateurfilmpraktiken und/als Gebrauchsfilmkultur

1941 entdeckte Elisabeth Wilms (1905-1981) ihre Leidenschaft für das Filmemachen. Wilms, die in Dortmund gemeinsam mit ihrem Mann eine Bäckerei mit angeschlossenem Lebensmittelgeschäft betrieb, begann mit einer geborgten 16mm-Kamera das tägliche Leben in ihrer Umgebung zu filmen. Sie machte auch weiter, nachdem der Zweite Weltkrieg in Dortmund schwere Schäden anrichtete und produzierte 1947/48 zwei Auftragsfilme für das Evangelische Hilfswerk, welche die Lebensumstände im fast vollständig zerstörten Stadtzentrum zeigen. Diese beiden Filme waren ihre ersten Schritte in den Bereich der Produktion von Auftragsfilmen, und was als Hobby begonnen hatte, wurde innerhalb weniger Jahre zu einem eigenständigen, erfolgreichen Geschäft. In den folgenden Jahrzehnten war Elisabeth Wilms höchst aktiv im Bereich des Gebrauchsfilms und produzierte Filme für die unterschiedlichsten Auftraggeber und die verschiedensten Zwecke. In ihrem Oeuvre finden sich unter anderem Industriefilme, Imagefilme sowie religiös motivierte Arbeiten. Mit ihrem Tod im Jahr 1981 hinterließ Elisabeth Wilms mehr als einhundert Filme sowie einen reichhaltigen Archivbestand, der aus geschäftsbezogenen und privaten Unterlagen besteht.

In meinem Projekt habe ich Wilms‘ Fall als Beispiel für die Verknüpfungen von Amateur- und Gebrauchsfilmproduktion in Deutschland in den Jahrzehnten ihrer aktiven Schaffenszeit herangezogen. Dementsprechend habe ich ihren Professionalisierungsprozess von einer autodidaktischen Amateurfilmerin hin zu einer erfolgreichen Produzentin von Auftragsfilmen, sowie ihren unbestimmten Status in der Grauzone zwischen Amateurdasein und professionellem Filmschaffen erforscht. Zudem habe ich jene drei Felder der Gebrauchsfilmproduktion untersucht, die die größte Rolle in ihrer Karriere spielten: Wohltätigkeitsfilme, Imagefilme für die Stadt Dortmund sowie Industriefilme. Zuletzt habe ich auch auf die Rolle ihrer Filme in der lokalen Dortmunder Erinnerungskultur fokussiert.

Das Projekt wurde im März 2020 abgeschlossen und im April 2020 an der Philipps-Universität Marburg verteidigt. Die Publikation befindet sich in der Vorbereitung.

 

Profil

Alexander Stark studierte Medienwissenschaft und Geschichte an der Universität Trier. Von 2014 bis 2017 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter im Drittmittelprojekt Advertising and the Transformation of Screen Cultures am Institut für Medienwissenschaft der Philipps-Universität Marburg. Er hat auf verschiedenen internationalen Workshops und Konferenzen Vorträge zu den Verknüpfungen von Amateur- und Gebrauchsfilmproduktion gehalten, wie beispielsweise dem Symposium Der klingende Amateurfilm (Bern, 2017), dem Workshop Amateurism – Professionalism – Pragmatism: Situating Film Practices (Göteborg, 2017), dem 11th Orphan Film Symposium (New York, 2018) sowie der Konferenz Urban Layers –Rust Belt and the Ruhr (Dortmund und Cincinnati 2019/2020). Von September 2017 bis Mai 2020 war Alexander wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand im Graduiertenkolleg „Konfigurationen des Films“ an der Goethe-Universität Frankfurt. Anschließend war er von Juni bis August 2020 im Rahmen einer Anschubförderung des Graduiertenkollegs als Postdoc an der Philipps-Universität Marburg angestellt und arbeitet derzeit an einem Antrag für ein DFG-gefördertes Drittmittelprojekt zur Geschichte der Fernsehwerbung in der BRD und der DDR.

 

alexander.stark[at]uni-marburg.de

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