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Laura Laabs
Doktorand_In, zweite Kohorte (2020-2023)

Ludische Schwellen

Der Kontakt mit Videospielen setzt – jedenfalls zeitweilig – den Aufenthalt auf (selten nur) einer Schwelle voraus. Vorspann-Sequenzen, Tutorials, Charakter-Editoren, Bedienschemata und -anleitungen, Tech Demos und auch Eingabegeräte sind eine kleine Auswahl solcher Kontaktzonen. Videospiele scheinen nie nur einen Anfang zu haben. Aber was geschieht auf der Schwelle? Ganz grundsätzlich haben wir es dort mit Verhandlungs- und Vermittlungsprozessen zu tun. Auf der Schwelle werden Spielregeln ausgehandelt oder zur Disposition gestellt, spielmechanische und narrative Logiken etabliert; Spiele präsentieren sich als Kurzfilme, Puppenhäuser oder als Bausätze; es werden Erwartungen und Fantasien geweckt; Positionen stabilisiert oder verworfen. Auf der Schwelle tun sich Möglichkeitsräume (bisweilen auch Abgründe) auf und werden gleichsam beschnitten.

 

Ausgangspunkt meines Dissertationsprojekts ist Gérard Genettes Umschreibung von Paratexten als Schwellen. Als Denkfigur unterläuft die Schwelle binärlogische Unterscheidungen von Innen und Außen, Spiel oder Nicht-Spiel. Sie ist der Ort, an dem narrative und spielmechanische, wie auch Produktions- und Distributionslogiken sichtbar werden – Logiken, die sich selten in den Grenzen von Einzelmedien bewegen, sondern im Medienverbund begriffen werden müssen.

Fig. 1:
Screenshot aus The Nomad Soul (Quantic Dream, 1999), YouTube, zuletzt aufgerufen am 29. Juli 2020.
Fig. 2:
Vorspann von Death Stranding (Kojima Productions, 2019), YouTube, zuletzt aufgerufen am 29. Juli 2020.
Fig. 3:
Screenshot aus Freddy Pharkas: Frontier Pharmacist (Sierra On-Line, 1993). YouTube, zuletzt aufgerufen am 29. Juli 2020.

Profil

Laura Laabs ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Graduiertenkolleg „Konfigurationen des Films“ der Goethe-Universität Frankfurt. Ihr Bachelorstudium in Theater-, Film- und Medienwissenschaft mit Nebenfach English Studies absolvierte sie 2016 ebenfalls in Frankfurt. 2020 schloss sie ihr Masterstudium in Film- und Medienkultur-Forschung an der Ludwig-Maximilians-Universität in München ab, wo sie auch als Hilfskraft und Tutorin tätig war. Ihre Forschungsinteressen liegen in den Bereichen Game Studies, kulturwissenschaftliche Gender Studies und dokumentarische Medien. Seit 2020 ist sie Redakteurin bei Paidia. Zeitschrift für Computerspielforschung.

 

laabs[at]tfm.uni-frankfurt.de

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