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Sema Çakmak
Doktorand_In, zweite Kohorte (2020-2023)

Lubunya. Filmsichtungen als Orte des politischen Aktivismus und der Identitätsbildung in der LGBTI+ Community der Türkei

Ab Mitte der 90er Jahre fanden mit Unterstützung der zwei wichtigsten LGBTI+ Organisationen der Türkei Lambda Istanbul und Kaos GL Ankara studentische Veranstaltungen an verschiedenen Universitäten statt, die zur Sensibilisierung über LGBTI+ Problematiken dienten und Gender- und Sexualitätsdiskurse sichtbar machten. Neben Diskussionen und Lesungen spielten besonders Filmsichtungen, von vorrangig westlichen, amerikanischen Filmen, für die politische Mobilisierung und die Identitätskonstruktion der LGBTI+ Community in der Türkei eine wichtige Rolle.

Das Dissertationsprojekt untersucht inwieweit Filmsichtungen zum politischen Aktivismus genutzt wurden. Können filmische Räume politisch-pädagogische Orte der Identitäts-, Communitybildung darstellen und somit ein Teil des politischen Kampfs nach gesellschaftlicher Akzeptanz werden? Welche Problematiken entstehen bei der unreflektierten Übertragung der Vorstellung einer westlichen LGBTI+ Identität auf einen zwischen Modernität und Tradition gespaltenem und trotz existenter Diskurse zur Gleichgeschlechtlichkeit im Osmanischen Reich, heute stark heteronormativem Kulturraum wie die Türkei? Wie wirkt sich der Einfluss dieser „verwestlichten“ LGBTI+ Identität auf die heutige Filmpraxis des türkischen Queer Cinemas aus? Hat sich nicht vielleicht sogar eine spezifisch türkische „Queerness“/queere Identität entwickelt, wie es beispielsweise der von homosexuellen Menschen verwendete türkische Slang Lubunca aufweist. Zudem wird auch diskutiert, ob das seit 2011 jährlich stattfindende erste Queer Film Festival der Türkei Pembe Hayat Kuir Fest als eine Weiterführung der aktivistischen, studentischen Filmsichtungen betrachtet werden kann.

 

Fig. 1:
Screenshot aus Zenne Dancer (M. Caner Alper, 2011) entnommen aus YouTube, zuletzt aufgerufen am 14. Juli 2020.
Fig. 2:
LGBT Demonstranten protestieren den Verbot der Gay Pride in Istanbul, The Independent, zuletzt aufgerufen am 14. Juli 2020.
Fig. 3:
Beliebter Travestiekünstler TV-Star Huysuz Virjin legt einer Sängerin die traditionelle Keuschheitsschleife an, Izlesene, zuletzt aufgerufen am 14. Juli 2020.

Profil

Sema Çakmak ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Graduiertenkolleg „Konfigurationen des Films“ an der Goethe-Universität Frankfurt. Im Bachelor studierte sie Theater- und Medienwissenschaft und Frankoromanistik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und Filmwissenschaft an der Université Aix-Marseille. Sie erhielt ihr M.A. im internationalen Masterprogramm Film und audiovisuelle Medien (IMACS) an der Goethe-Universität Frankfurt, Université Sorbonne Nouvelle Paris 3, Université de Liège. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Queer Cinema, Avant-Garde und der politische Film.

 

cakmak[at]tfm.uni-frankfurt.de

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