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Rebecca Boguska
Doktorand_in

(Re-)Formatierungen des Lebens. Bilder der Folter aus dem Abu-Ghraib-Gefängnis und dem Gefangenenlager der Guantanamo Bay Naval Base

Eines der wohl berühmtesten Bilder aus dem Gefangenenlager der Guantanamo Bay Naval Base (GTMO) zeigt aus der Vogelperspektive die eingezäunten, orangegekleideten, knienden Gefangenen. Diese Fotografie öffnet GTMO vermeintlich für die Wahrnehmung der Öffentlichkeit. Allerdings fühlen wir uns aufgrund der empfundenen Nähe vom Stacheldraht zum Auge, ähnlich wie die Gefangenen, von ihm bedroht und werden so auch aufgefordert wegzuschauen. Sie präfigurierte – mitsamt der Herausforderung, welche sie für die ZuschauerInnen darstellt – was sich im Hinblick auf die visuellen Bilder aus GTMO ereignen würde. Einerseits macht sie sichtbar, wie und auf welche Weise die Anerkennung der Häftlinge verweigert wurde. Andererseits antizipierte sie und trug zu den Entscheidungsprozessen der US-Regierung bei, eine Zugangsbeschränkung oder -verweigerung zu den Bildern aus GTMO einzuführen.

Die Verweigerung des Zugangs zu visuellen Bildern und die strikten Prozeduren aus GTMO werfen Fragen auf, ob und wie genau diese Einschränkungen als medial vermittelte, strukturelle Voraussetzungen für die stattfindende „Anerkennungsvergessenheit“ (Axel Honneth) fungieren. Gibt es jedoch Formen der Vermittlung und der Sichtbarmachung von Subjekten sowie Objekten (z.B. der Abu Ghraib Skandal), ist die Frage, inwieweit diese nicht am Akt der Anerkennung, sondern an Verdinglichungsprozessen beteiligt sind. Mein Projekt untersucht diese Fragestellungen im Hinblick auf juristische und visuelle Diskurse über GTMO und das Abu Ghraib Gefängnis.

Fig. 1: Screenshot aus 5 Jahre Leben (Stefan Schaller, Deutschland 2013), Zorro Film, DVD, 3’09“.

Fig. 2: Department of Defense: Media Ground Rules for Guantanamo Bay, Cuba (GTMO) September 10, 2010, S. 1 und S. 4, Link, zuletzt aufgerufen am 11. Mai 2018.

Fig. 3: Screenshot aus Ghosts of Abu Ghraib (Rory Kennedy, USA 2007), Home Box Office, DVD, 68’06“.

Profil

Rebecca Boguska ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Graduiertenkolleg „Konfigurationen des Films“ an der Goethe-Universität Frankfurt. Ihr Bachelorstudium Theater-, Film und Medienwissenschaft absolvierte sie 2014 an der Universität Wien. Ihr Masterstudium an der Universität Zürich in den Fächern Theorie und Geschichte des Films und Gender Studies hat sie in 2016 abgeschlossen. Neben ihrer akademischen Tätigkeit war Boguska für die Gestaltung des Programms beim Film- und Kunstfestival Porny Days Zürich mitverantwortlich.

 

boguska[at]em.uni-frankfurt.de

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