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Johanna Laub
Doktorand_In, zweite Kohorte (2020-2023)

Geschichtsfragmente. Spuren der Vergangenheit in Bewegtbildern der Gegenwartskunst

Das Dissertationsprojekt beschäftigt sich mit Bewegtbildern der Gegenwartskunst, in denen anhand der Spuren und Zeugnisse der Vergangenheit eine Auf- und Umarbeitung von Geschichte unternommen wird. Diese künstlerische Herangehensweise ist häufig als eine Form der Archäologie oder Archivpraxis konzeptualisiert worden: als ein Freilegen und Durcharbeiten historischer Schichten im Sinne einer gegenwartsbezogenen, oftmals kritischen Auseinandersetzung mit dem kulturellen Gedächtnis. Bewegtbilder in ihren diversen, teils hybriden Formaten – von kinematographischen Installationen über Diaprojektionen bis hin zu audiovisuellen Performances – halten dabei relevante Perspektiven für unser Verständnis von der Zugänglichkeit und Verhandelbarkeit von Vergangenheit bereit.

Innerhalb des Diskurses einer geschichts- und gedächtnisbewussten Gegenwartskunst möchte das Projekt erarbeiten, wie Künstler_innen in Bewegtbildern mit den epistemologischen und ethischen Aspekten verfahren, die die Arbeit mit historischen und archivarischen Materialien bedingen. Welche Methoden und welche Ästhetik entwickeln sie? Und wie lässt sich ihr Zugriff auf die Vergangenheit hinsichtlich seiner historiografischen und geschichtsphilosophischen Natur beschreiben? Das Projekt verfährt dabei nicht nur hermeneutisch, sondern erfasst Bewegtbilder der Gegenwartskunst auch als Teil eines Ausstellungsdispositivs, das in die Untersuchung einbezogen werden sollte.

Fig. 1:
Anri Sala, Intervista (Finding the Words), 1998, reproduziert im Ausstellungskatalog Archive Fever: Uses of the Document in Contemporary Art, International Center of Photography, New York, 2008, S. 166f.
Fig. 2:
Ana Torfs, Anatomy, 2006, Teil der Ausstellung The Way of the Shovel: Art as Archaeology, Museum of Contemporary Art Chicago, 2014 (Screenshot), MCA, zuletzt aufgerufen am 14. August 2020.
Fig. 3:
Filipa César präsentiert ihr Projekt Luta ca caba inda (Der Kampf ist noch nicht vorbei) im Jeu de Paume, Paris, 2012 (Screenshot), YouTube, zuletzt aufgerufen am 14. August 2020.

Profil

Johanna Laub ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des Graduiertenkollegs „Konfigurationen des Films“ an der Goethe-Universität Frankfurt. Sie studierte Kunstgeschichte im Bachelor und Master an der Universität Leipzig und der Université de Tours. Im Anschluss war sie als kuratorische Assistenz an der Schirn Kunsthalle Frankfurt tätig, wo sie an Ausstellungen moderner und zeitgenössischer Kunst sowie am Film- und Videoprogramm „Double Feature“ mitarbeitete. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Kunst des späten 20. Jahrhunderts und der Gegenwartskunst; dabei interessiert sie sich besonders für das künstlerische Verhältnis zu Geschichte und Anthropologie.

 

laub[at]tfm.uni-frankfurt.de

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