Menü Schließen
Christian Alexius
Doktorand_In, zweite Kohorte (2020-2023)

Filmgeschichten im Comic: Zwischen cinephiler Praxis und alternativer Filmgeschichtsschreibung

Wie gehen Comics mit Filmgeschichte um und welche Möglichkeiten bieten sie Zeichner:innen, die eigene Filmgeschichte zu erkunden und persönliche Geschichten des Films festzuhalten? Dies sind zwei der wesentlichen Fragestellungen, um die sich das Promotionsvorhaben dreht. Comics wie Ein letztes Wort zum Kino (Blutch, Berlin 2016) oder A Fistful of Drawings (Joe Ciardiello, Seattle 2019) stehen dabei stellvertretend für den seit den 1990er Jahren verstärkt zu beobachtenden Versuch, Filmgeschichte in anderen medialen Kontexten neben der Schriftsprache der Bücher zu schreiben. Die zu dieser Zeit einsetzende Diskussion um den Tod des Films infolge seiner zunehmenden Digitalisierung lässt auch den Comic zu einem Archiv filmischer Bilder und den Erinnerungen an diese werden. Dabei verbinden die im Fokus stehenden Comics cinephiles Interesse am Film mit Darstellungsmöglichkeiten und Konventionen, die vornehmlich mit der Fankultur assoziiert werden – beispielsweise indem sie wie der italienische Comiczeichner SeSar fiktive Making-of-Geschichten entwerfen. Das Dissertationsvorhaben diskutiert somit nicht nur persönliche Filmgeschichten, sondern wirft ebenso grundsätzliche Fragen zur Beziehung zwischen Film und Comic sowie dem Comiczeichnen als einer cinephilen Praktik auf.

Fig. 1:
SeSar: King Kong! e altre storie, Mailand: Rizzoli, 1991, S. 25.
Fig. 2:
Blutch: Ein letztes Wort zum Kino, Berlin: Reprodukt, 2016.
Fig. 3:
Joe Ciardiello: A Fistful of Drawings, Seattle: Fantagraphics, 2019, S. 27.

Profil

Christian Alexius ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Philipps-Universität Marburg und promoviert derzeit im Graduiertenkolleg „Konfigurationen des Films“ der Goethe-Universität Frankfurt. Er studierte Filmwissenschaft und Soziologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. In dieser Zeit engagierte er sich viele Jahre ehrenamtlich bei FILMZ – Festival des deutschen Kinos, wurde zwei Mal mit dem Deutschlandstipendium ausgezeichnet und war als Tutor für Filmgeschichte angestellt. Auf seiner Website sammlerdeskinos.de stellt er Texte über persönliche Filmmomente aus, in denen sich die Cinephilie ihrer Autor:innen widerspiegelt. Zu seinen Publikationen gehören Den Glauben an die Welt mit dem Wahnsinn bezahlen. Reflexionen zum postklassischen Kino (Baden-Baden 2020) und Paolo Sorrentino. Das Werk eines Ästheten (mit Lucas Curstädt u. Björn Hayer, Marburg 2020).

Mitglieder