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Christian Alexius
Doktorand_In, zweite Kohorte (2020-2023)

Cinephile Comics als Gedächtnisräume: Erinnerung, Imagination, Archiv

Die Dissertation widmet sich Comics, die ein cinephiles Interesse am Film mit Methoden verbinden, die klassischerweise mit der Fankultur assoziiert werden. Diese bedienen sich auf unterschiedliche Weise an der Filmgeschichte, zeichnen filmische Bilder nach, verwenden sie wieder und kombinieren sie neu. Darunter die Arbeiten von professionellen Comicautoren wie SeSar, Blutch oder Charles Berberian, die eigene filmischen Erinnerungen beziehungsweise diejenigen ihren Protagonist:innen thematisieren oder scheinbar disparate Elemente aus verschiedenen Filmen in Form von Fanfictions miteinander verbinden. Das Promotionsvorhaben verortet sich dabei an den Schnittstellen von Filmwissenschaft, Comicforschung sowie Fan Studies und kulturwissenschaftlicher Gedächtnisforschung. Ziel dahinter ist es, bis heute in der wissenschaftlichen Wahrnehmung dominierende Unterschiede zwischen Cinephilen und Fans zu hinterfragen und cinephile Comics als ein Archiv an (nach-)gezeichneten filmischen Bildern zu begreifen, das aus dem engen Zusammenspiel von Erinnerung und Imagination ihrer Comicschaffenden resultiert. Im Zentrum der hier als Teil eines größeren Media Fandom beschriebenen Cinephilie wird somit eine transformative Gedächtnisarbeit verortet, die neben der Sorge um die Flüchtigkeit der Filmbilder ihre persönliche Verarbeitung und kreative Aneignung in den Fokus rückt.

Fig. 1:
SeSar: King Kong! e altre storie, Mailand: Rizzoli, 1991, S. 25.
Fig. 2:
Blutch: Ein letztes Wort zum Kino, Berlin: Reprodukt, 2016.
Fig. 3:
Joe Ciardiello: A Fistful of Drawings, Seattle: Fantagraphics, 2019, S. 27.

Profil

Christian Alexius ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Philipps-Universität Marburg und promoviert derzeit im Graduiertenkolleg „Konfigurationen des Films“ der Goethe-Universität Frankfurt. Er studierte Filmwissenschaft und Soziologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. In dieser Zeit engagierte er sich viele Jahre ehrenamtlich bei FILMZ – Festival des deutschen Kinos und wurde zwei Mal mit dem Deutschlandstipendium ausgezeichnet. Auf seiner Website sammlerdeskinos.de stellt er Texte über persönliche Filmmomente aus, in denen sich die Cinephilie ihrer Autor:innen widerspiegelt. Zu seinen Publikationen gehören Den Glauben an die Welt mit dem Wahnsinn bezahlen. Reflexionen zum postklassischen Kino (Baden-Baden 2020) und Paolo Sorrentino. Das Werk eines Ästheten (mit Lucas Curstädt u. Björn Hayer, Marburg 2020).

 

alexius[at]tfm.uni-frankfurt.de

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